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Fairtrade Siegel beim Kaffee

Die Kaffeefans setzen zunehmend beim Kaffeegenuss auch auf globale Fairness. Wer Kaffee trinkt, möchte immer öfter auf Nachhaltigkeit, Umweltfreundlichkeit und respektvollen, fairen Handel mit den Kaffeebohnen nicht verzichten. Die Kaffeekonsumenten genießen neben einem wohlschmeckenden Kaffee damit immer öfter auch die Gewissheit, dass dieser unter Bedingungen gehandelt wurde, die den Menschen in den Herkunftsländern ein menschenwürdiges Leben ermöglichen. Da die Macht zur Umgestaltung des Marktes letztendlich bei den Konsumenten liegt, greifen auch immer mehr große Fastfood- und Getränkeketten den Trend auf. Dabei wird von vielen Verbrauchern billigend in Kauf genommen, dass wirklich fair produzierter und gehandelter Kaffee nun einmal mehr kostet als die herkömmliche Alternative – aber den Menschen in den Anbauregionen eben auch mehr bringt. Kaffee weckt also anscheinend nicht nur morgens auf, sondern mobilisiert auch das soziale Gerechtigkeitsempfinden. Da Kaffeeliebhaber allgemein als besonders wache Zeitgenossen bekannt sind, beschränken sie ihre Aufmerksamkeit oft anscheinend nicht ausschließlich auf ihre nähere Umgebung, sondern sind sich auch darüber im Klaren, dass der Kaffee letztendlich nicht aus der Kaffeemaschine kommt. Vielmehr wird er in den meist südamerikanischen Herkunftsländern häufig unter Bedingungen produziert, von denen man im reichen Europa nur träumen konnte – und dies wären keine schönen Träume. Worauf muss man aber achten, um im Dschungel der Angebote für angeblich fair und umweltfreundlich hergestellten Produkten das richtige Produkt zu finden? Richtig: Auf die vielfältigen Siegel der diversen Umweltschutz- und Handelsorganisationen, die auf den Verpackungen abgedruckt sind. Aber was steckt wirklich dahiner? Wofür treten die verschiedenen Organisationen ein?

Das richtige Siegel schafft Sicherheit

Bezeichnend ist dabei, dass im Laufe der Zeit das bekannte Fairtrade-Siegel eine große Anzahl von Geschwistern bekommen hat: Außer dem altbekannten und bewährten Fairtrade-Aufdruck gibt es heutzutage viele weitere runde Gütebescheinigungen auf den Verpackungen des deutschen Lieblings-Heißgetränks, bei denen der Konsument nur noch schwer überschauen kann, was genau dort jetzt eigentlich ausgezeichnet wird. Kann man diesen Enblemen auf den Kaffeepulver-Verpackungen ebenso trauen wie dem altbewährten Fairtrade-Siegel?

Die Antwort darauf ist: Das kommt darauf an, was man kaufen möchte. Zunächst einmal sollte es sich natürlich um ein echtes Siegel einer großen Organisation handeln und nicht um ein Fantasieprodukt diverser Hersteller oder – im Extremfall – eines einzelnen Herstellers. Denn diese Siegel, die manchmal nicht viel mehr sind als Verpackungs-Zier, haben letztendlich nicht viel Aussagekraft, da die mit solchen Siegeln verbundenen Behauptungen natürlich nur schwer zu überprüfen sind. Wenn man sich hier unsicher ist, lässt sich der Ursprung eines bestimmten Siegels in der heutigen Zeit der global verfugbaren Informationen meist relativ unkompliziert zurückverfolgen. Wenn ein Siegel nicht weitläufig bekannt ist oder zumindest die Informationen über die genauen Bestimmungen nur sehr schwer zu bekommen sind, ist dies schon verdächtig. Auch wenn man hier kleinere Organisationen keinesfalls vorschnell verurteilen sollte, ist es bei Unklarheit häufig besser, Kaffee mit dem bekannten Siegel einer großen Organisation wie TransFair (Fairtrade-Siegel) oder der Rainforest Alliance zu kaufen. Desweiteren kommt es für die Einschätzung durch den Verbraucher darauf an, was man sich von der jeweiligen Auszeichnung verspricht. Hier muss man sich also bewusst darüber sein, was man mit seinem Geld unterstützen möchte. Sollte das Produkt frei von Kinderarbeit sein? Sollte auf den Umweltschutz geachtet werden, indem z.B. keine oder nur als verhältnismäßig harmlos bekannte Insektenschutzmittel verwendet wurden? Sollen die Bauern über nachhaltige Anbaumethoden aufgeklärt werden?

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Fairtrade Siegel beim Kaffee

Fairtrade Siegel beim Kaffee ©iStockphoto/DredK

Die wichtigsten Siegel im Überblick

Fairtrade – Der Klassiker

Bei den Fairtrade-Siegeln geht es in erster Linie um die Menschen, die vom Kaffeeanbau leben möchten oder müssen. Durch diese Siegel wird also im Wesentlichen gewährleistet, dass die Bauern, die die Kaffeebohnen in den verschiedenen Ursprungsländern produzieren, ihr Produkt unter fairen Bedingungen handeln können und sich nicht zu Sklaven der ersten Welt und der internationalen Märkte, an denen z.B. auch Kaffee gehandelt wird, machen müssen. Dabei sind die Bauern keine bloßen Arbeitskräfte, die sich der Fairtrade-Organisation unterordnen müssen – vielmehr haben diese ein Mitspracherecht und können so nicht nur passiv Mitglied sein (also die entsprechenden Bestimmungen einhalten), sondern auch aktiv neue Projekte gestalten. Der für viele Bauern wichtigste Punkt ist aber, dass die Organisation ihnen ein möglichst stabiles Einkommen und die damit verbundene Sicherheit bietet. Ansonsten sind die für den Kaffee erzielten Preise sehr stark von der jeweiligen Laune der internationalen Börsen abhängig, an denen er von Spekulanten gehandelt wird. Die dadurch verursachten Preisschwankungen stellen für viele der Kaffeebauern eine große finanzielle Unsicherheit dar. Hier arbeitet TransFair dagegen. Der größte Teil des Kaffees des Fairtrade-Programms wird dabei in Lateinamerika hergestellt. Entsprechende Produkte findet man heutzutage übrigens nicht nur im Bio-Supermarkt oder im kleinen Fairtrade-Laden des örtlichen „Hippies“ – auch große Supermarkketten haben den Trend der Zeit mittlerweile erkannt und führen mittlerweile Produkte, die dem Fairtrade-Standard genügen. Aber hält die Organisation letztendlich, was sie verspricht? Im gewissen Umfang kann davon ausgegangen werden. In erst vor wenigen Jahren veröffentlichten Studien wurde festgestellt, dass der faire Handel neben einer großen psychologischen Erleichterung für viele Bauern auch wertvolle Entwicklungsarbeit in den Ländern, in denen die Organisation aktiv ist, leistet.

Weitere internationale Organisationen

Daneben gibt es wie gesagt noch zahlreiche weitere Siegel, die sich auf den Schutz von Menschen und Umwelt konzentrieren. Hier steht also nicht nur der Mensch im Vordergrund, sondern auch die häufig verheerenden Auswirkungen auf die Umwelt, die den Kaffeeanbau begleiten, werden beachtet und bekämpft. Solche Siegel regeln meist den Einsatz von Pestiziden und andere Details, die den möglichst umweltfreundlichen Kaffeeanbau realisieren. Der Mehrpreis wird hier also ebenso wie beim Fairtrade-Siegel für die Ziele der entsprechenden Organisationen eingesetzt, die nicht immer völlig mit denen von TransFair übereinstimmen müssen, aber meist durchaus in eine ähnliche Richtung weisen. So bildet die Rainforrest Alliance die Bauern im nachhaltigen Anbau aus und hat sich zum Ziel gesetzt, den Regenwald nach Kräften zu bewahren. Allerdings gibt es auch hier Zielsetzungen, die auf die Verbesserung der Lebensbedingungen der beteiligten Arbeitskräfte abzielen: Die Diskriminierung am Arbeitsplatz ist mit den Anforderungen zum Erhalt des Siegels nicht zu vereinbaren. Außerdem müssen Arbeitskräfte mindestens 15 Jahre alt sein. Die Rainforest Alliance beschäftigt sich dabei neben dem Anbau von Kaffee auch mit vielen anderen landwirtschaftlichen Nutzungsformen des Regenwaldes, z.B. auch dem Anbau von Bananen. Als internationale Organisation ist sie weltweit für den Schutz des Regenwaldes (oder bei der Vermarktung entsprechender Produkte) im Einsatz. Die Organisation wurde allerdings in der Vergangenheit ab und zu kritisiert, da ihre Standards zur Verleihung der Siegel weniger streng seien als die des Fairtrade-Siegels. Für die Organisation spricht hingegen, dass die mit ihr in Verbindung stehenden Farmen durch das Programm tatsächlich zum Teil auch einen wirtschaftlich größeren Ertrag liefern. Auch hat die Reduktion der Nutzung von Insektenschutzmitteln bei vielen Vertragspartnern für eine allgemein verbesserte Gesundheit gesorgt. Hier geht also eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen und der Schutz des Regenwaldes Hand in Hand.

Ein weiteres Siegel einer international bekannten und tätigen Organisation ist das der UTZ. Hier wird nicht direkt ein fairer Handel angestrebt, der die starken Schwankungen der Kaffeepreise durch die Spekulationen an den internationalen Börsen teilweise aushebelt. Stattdessen wird darauf hingearbeitet, die Arbeitsbedigungen und die Umweltverträglichkeit in der Kaffeeproduktion durch einen nachhaltigen Anbau zu optimieren. Außerdem sollen die Lebensumstände der Menschen in der Region allgemein verbessert werden.

Fazit: Mit gutem Gewissen genießen

Auch wenn die verschiedenen großen vorgestellten internationalen Organisationen also verschiedene Methoden anwenden, möchten alle drei einen nachhaltigeren Kaffeeanbau fördern und das Verbesserungspotential für die Leben der am Kaffeeanbau beteiligten Menschen ausnutzen. Weitere Informationen lassen sich bei Interesse den jeweiligen Websites entnehmen. Hier muss der Verbraucher letztendlich selbst entscheiden, welche Methode sie oder ihn am meisten überzeugt. Wen auch immer er dann unterstützen möchte: Mit einem guten Gewissen schmeckt ein frischer Kaffee doch gleich noch etwas besser.