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Kaffee – Vom Ziegenfutter bis zum Weltprodukt!

Für unzählige Menschen auf der ganzen Welt ist eine Tasse Kaffee fester Bestandteil der morgendlichen Routine und der Inbegriff einer gemütlichen Pause zwischendurch. Der Duft, den frisch gebrühter Kaffee verströmt, sein unvergleichlicher Geschmack und seine anregende Wirkung auf Körper und Geist machen ihn zu einem der beliebtesten nichtalkoholischen Getränke überhaupt.

Nicht umsonst ist Kaffee seit langer Zeit in vielen Ländern ein hochbegehrtes und kostbares Genussmittel. Seinen Siegeszug um die ganze Welt trat das „Schwarze Gold“ erst Jahrhunderte nach seiner zufälligen Entdeckung an. Es überlebte Verbote und Einschränkungen, Preiseinbrüche durch Weltwirtschaftskrisen und drastische Konsumrückgänge während der beiden Weltkriege, um in den Fünfzigerjahren zu einem der wichtigsten Symbole des westlichen Wirtschaftswunders zu avancieren.

Entgegen vieler veralteter Vorurteile, Kaffee hätte negative Auswirkungen auf die Gesundheit, enthält das Getränk eine ganze Reihe kostbarer Inhaltsstoffe, die seit einigen Jahren Gegenstand intensiver Forschungsbemühungen sind.

Die Ziege entdeckt den Kaffee

Um das Jahr 850 soll im ehemaligen Königreich Kaffa, das heute Teil von Äthiopien ist, der Legenden nach ein junger Ziegenhirt eine kuriose Entdeckung gemacht haben. Einige seiner Ziegen fraßen von etwa vier Meter hohen Sträuchern, die weiße Blüten und kirschenähnliche rote Beeren hervorbrachten und fielen danach durch ein merkwürdiges Verhalten auf. Während die anderen Tiere der Herde längst schliefen, waren die Ziegen, die von diesen Sträuchern gefressen hatten, noch zu später Stunde putzmunter und sprangen aufgedreht umher. Der Hirtenjunge erzählte den Mönchen eines in der Nähe befindlichen Klosters von seiner seltsamen Beobachtung. Diese untersuchten die besagte Stelle und fanden dort die Pflanzen mit den roten Beeren. Sie nahmen diese mit in ihr Kloster und bereiteten einen Aufguss zu, den sie tranken. Die Mönche blieben daraufhin lange wach und realisierten, dass sie nach dem Genuss des Getränks ihren frommen Tätigkeiten auch in der Nacht nachgehen konnten. Es folgten zahlreiche Experimente in der Zubereitung, um den Geschmack und die Verträglichkeit des neuen Getränks positiv zu beeinflussen.

Die Idee, die in den Früchten enthaltenen Bohnen zu rösten, soll angeblich entstanden sein, nachdem der Ziegenhirte Kaldi die ungenießbaren roten Beeren kostete und diese, angewidert von deren bitteren Geschmack ins Feuer spuckte. Durch die Hitze setzten die Bohnen einen angenehmen Duft frei, der die Menschen dazu inspirierte, diese vor dem Mahlen zu rösten, um das Aroma des anschließend gekochten Kaffees zu intensivieren. Aus dem Königreich Kaffa, das der Namensgeber des schwarzen Getränks wurde, stammt auch die ursprüngliche Art, Kaffee zuzubereiten. Dieser wurde in einer eisernen Pfanne geröstet und danach in einem Mörser zerstoßen. Anschließend wurde das Pulver in Zucker und Wasser in einem bauchigen Krug aus Ton aufgekocht und anschließend aus kleinen Tassen getrunken.

Kaffeebohnen

Kaffeebohnen @iStockphoto/ansonsaw

Der Kaffee gelangt nach Arabien

Von Äthiopien aus brachten Sklavenhändler die Kaffeepflanzen im 15. Jahrhundert von ihren Reisen mit in den arabischen Raum, wo Kaffee zunächst nur wenig Beachtung fand. Erst einige Jahrzehnte später entdeckten die Araber die anregende Wirkung des aromatischen Getränks für sich. Allmählich begannen sie, die Pflanzen in großem Stil zu kultivieren, bis sich Arabien eine Monopolstellung auf dem Gebiet der Kaffeeproduktion erwirtschaftet hatte.
Im Osmanischen Reich durchlief die Kaffeekultur ab dem Jahr 1511 eine turbulente Entwicklung. Der Konsum des Getränks erregte die Gemüter der islamischen Priester, die in Kaffee eine Droge sahen, die sich nicht mit dem frommen Glauben vertrug. Die zahlreichen Kaffeehausbesitzer sahen sich deshalb phasenweise mit strengen Verboten und hohen Strafen konfrontiert. Bis das „Schwarze Gold“ im Jahr 1839 gesetzlich anerkannt und zugelassen wurde, mussten Kaffeehäuser als andersartige Geschäfte getarnt werden und moslemische Kaffeetrinker ihrer Leidenschaft heimlich nachgehen, um sich vor Verfolgungen und harten Strafen durch die Behörden zu schützen.

Trotz seines ambivalenten Rufs erfanden auch die Moslems ihre eigene Legende von der Entdeckung des Kaffees durch den Menschen. Der Prophet und Glaubensgründer Mohammed soll das tiefschwarze Getränk vom Erzengel Gabriel dargereicht bekommen haben, um Kraft zu erlangen. Die Farbe des Kaffees wurde mit dem Heiligen Schwarzen Stein, einem Meteoriten gleichgesetzt, der in die Mauer der Kaaba, des bedeutendsten Bauwerks und Heiligtums in Mekka eingearbeitet wurde.

Kaffee in Europa – Getränk der Privilegierten

Im späten 16. Jahrhundert erreichte der Kaffee schließlich Europa, wo er bald in Hafenstädten und Handelszentren wie London, Venedig, Amsterdam oder Hamburg von reichen weltgewandten Bürgern und Adeligen getrunken wurde. Die neuen Kaffeehäuser dieser Städte wurden wichtige Treffpunkte der intellektuellen Kreise, in denen bedeutende Politiker und Künstler verkehrten. In Wien, das durch die zweite Türkenbelagerung mit dem neuen Getränk in Kontakt gekommen war, etablierte sich ab Ende des 17. Jahrhunderts eine blühende Kaffeehauskultur, die das Stadtbild und die Gastronomie der österreichischen Metropole bis heute maßgeblich beeinflusst.

Lange Zeit hatte Holland durch seine zahlreichen Kolonien in Übersee die Monopolstellung in der Kaffeeproduktion inne. Durch steigenden Bedarf an dem Getränk, das als Luxusgut gehandelt wurde, erschlossen Unternehmer anderer europäischer Kolonialmächte neue Länder, um Kaffeeplantagen in großem Stil gewinnbringend zu betreiben. Von Afrika und Arabien aus wurden die Pflanzen in vielen tropischen Ländern eingebürgert. Innerhalb kürzester Zeit breitete sich der Anbau von Kaffee in Sudostasien, der Karibik und Lateinamerika aus. Heute gelten Brasilien, Vietnam, Indonesien, Kolumbien und Äthiopien als die fünf führenden Produzenten von Kaffee.

Kaffee und die Weltwirtschaft

Geschätzte 25 Millionen Menschen in fünfzig Ländern weltweit arbeiten heute im Anbau und produzieren jährlich über 8,5 Millionen Tonnen an Rohkaffee, der nach Erdöl das zweitwichtigste Handelsgut der Welt darstellt. Diese unglaublichen Mengen erfordern riesige Monokulturen, die teils verheerende Auswirkungen auf die Natur haben. Durch die Kaffeeplantagen werden in den Tropen jedes Jahr ganze Waldstriche gerodet und dadurch der Lebensraum zahlreicher Tierarten vernichtet. Ökologischer Fair-Trade-Anbau, der sich fast zur Gänze auf Äthiopien, Peru und Mexiko beschränkt und seit einigen Jahren im Trend liegt, macht heute etwa 6,5 Prozent der globalen Kaffeeproduktion aus und verzichtet auf die Verwendung von schädlichen Pestiziden und die Rodung von Regenwald. Auch auf die Menschen, die vom Handel mit Kaffee leben, haben das globale Geschäft und die Preisschwankungen negative Auswirkungen. Vor allem in Äthiopien können die Menschen, wenn die Preise für Kaffee fallen, keine Lebensmittel von dem aus dem Anbau erwirtschafteten Geld mehr kaufen. Die letzte dieser als Kaffeekrisen bezeichneten schweren Hungersnöte suchte im Jahr 2003 Äthiopien heim. Auch in einem stabilen Wirtschaftsklima sind die Menschen, die Kaffee kultivieren stark benachteiligt. Nur ein geringer Prozentsatz des Gewinns kommt den überwiegend als Kleinbauern tätigen Menschen zu, der Großteil des Geldes landet in den Taschen der Großhändler sowie im Transportwesen, in den Steuern und beim Zoll.

Kaffee als globales Lifestyle-Produkt

Abhängig von Land und Kultur existieren unzählige Zubereitungsarten für Kaffee. Um Kaffeemaschinen und Zubehör hat sich seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs allmählich ein internationaler Markt entwickelt, der in regelmäßigen Abstanden neue technische und ästhetische Errungenschaften präsentiert. Längst sind nicht mehr nur die konventionelle Filtermaschine oder die Mokka-Kanne in Verwendung. Viele Haushalte verfügen heute über moderne Kaffeemaschinen, die professionellen Geräten der Gastronomie nachempfunden sind oder mit fertig verpackten Kaffeekapseln oder Pads einfach und schnell bedient werden können. Die Wahl der Kaffeemaschine ist zu einer Lifestyle-Entscheidung geworden, die den persönlichen Geschmack genauso widerspiegelt wie die individuellen Anforderungen an Design und Technik. Neben Filterkaffee, Espresso oder dem türkischen Kaffee, dessen Genuss durch das Orakel im Kaffeesatz der Tasse zu einer vollkommenen Zeremonie wird, ist auch der von Nestlé entwickelte lösliche Kaffee nach wie vor in vielen Ländern sehr beliebt. Mit Schokolade überzogene Kaffeebohnen, mit Kaffee zubereitete süße und pikante Speisen und alkoholische Kaffeeliköre lassen das kulinarische Herz der eingefleischten Fans des schwarzen Getränks höher schlagen.

Zu den weltweit wichtigsten Abnehmern von Kaffee zählen die USA, Deutschland, Japan, Italien und Frankreich. Fast sieben Kilogramm Kaffee kauft jeder Deutsche durchschnittlich im Jahr, über 2300 Tassen werden in Deutschland in jeder Sekunde getrunken. Damit steht das Land auf Platz acht unter den führenden Kaffeekonsum-Nationen Europas.

Kaffee in der Forschung und der Pharmaindustrie

Dem im Kaffee enthaltenen Hauptwirkstoff Koffein wurde viele Jahrzehnte lang ein negativer Einfluss auf die Gesundheit nachgesagt. In letzter Zeit wird jedoch intensiv an der gesundheitsfördernden Wirkung des Kaffees auf den menschlichen Organismus geforscht. Die weit verbreitete Theorie, dass Kaffee dem Körper Wasser entziehe, ist heute wissenschaftlich eindeutig widerlegt. Das Glas Wasser, das in manchen Ländern wie Italien oder Österreich zum Kaffee serviert wird, ist zwar eine nette Tradition, aus gesundheitlicher Sicht jedoch nicht notwendig.

Im Zusammenhang mit der Medizin sind besonders die im Kaffee enthaltenen Säuren, allen voran die Polyphenole interessant, die Gegenstand zahlreicher wissenschaftlicher Studien sind. Als Antioxidantien machen sie freie Radikale unschädlich und schützen die Zellen vor vorzeitiger Alterung und Krebs. Ebenso konnte in Studien nachgewiesen werden, dass moderater, regelmäßiger Kaffeekonsum vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen und hohen Blutdruck schützen und das Schlaganfall-Risiko reduzieren kann. Neurodegenerative Erkrankungen wie Parkinson oder Alzheimer treten neuester Studien zufolge bei Menschen, die regelmäßig Kaffee trinken, deutlich seltener auf. Ebenso schützen Polyphenole nachweislich vor Leberzirrhose, Gallen- und Nierensteinen und beschleunigen den Zuckerstoffwechsel des Körpers. Aus diesem Grund wird von Wissenschaftlern vermutet, dass regelmäßiger Kaffeekonsum vor Diabetes mellitus schützen könnte. Kaffee ist zudem reich an wichtigen Mineralstoffen wie Kalium, Kalzium, Magnesium oder Phosphor und stellt daher ein für die Gesundheit bedeutendes Lebensmittel dar. Koffein stimuliert das zentrale Nervensystem, steigert die Konzentrationsfähigkeit und körperliche Leistungsfähigkeit, fördert die Wachheit und wirkt antidepressiv.

Viele Menschen machen sich die zahlreichen positiven Eigenschaften des Koffeins zunutze, indem sie dieses in Form von Arzneistoffen zu sich nehmen, da die Konzentration in Tabletten deutlich höher ist als im Kaffee. Koffeintabletten sind heute rezeptfrei in Apotheken und Drogerien erhältlich und werden erfolgreich gegen Schmerzen und Migräne, als schneller Energielieferant, zur Steigerung der Leistungsfähigkeit und als Diätmittel eingesetzt.